Eine kurze Nacht liegt hinter mir. Wind und Regen haben mich nicht so tief schlafen lassen wie bisher. Aber auch wenn der Morgen keine neuen Möglichkeiten für Bilder bereit hält, so bin ich dennoch zufrieden. Inzwischen liegen über 2.700 km hinter mir. Alles streß- und vor allem unfallfrei. So mache ich mir einen Kaffee und will an diesem Tag bis nach Trondheim fahren. Knapp 250 km und eine geplante Fahrzeit von knapp 4 Stunden.

Aber ich bin schnell ernüchtert. Während ich im Bad bin wundere ich mich. Das Wasser für meinen Kaffee kocht nicht. OK das Gas ist aus. Ich probiere es nochmal aber da kommt nix mehr. Also was anziehen und ab nach draußen, ein Blick auf die Gasflaschen soll Klarheit bringen. Und was sehe ich, beide Anzeigen auf rot. Also alle Flaschen leer. Primamissimo….

Natürlich kann man in Norwegen Gasflaschen auffüllen lassen, aber nur wenige machen das mit deutschen Flaschen. Und ich habe auch keinen Adapter dabei. Also befrage ich Google und LPG Norge ist einer der wenigen, die mir helfen können. Nun noch die nächste Adresse finden. Ok ich habe Glück, die nächste Station ist knapp 30 km entfernt, auch auf meiner Route, also alles halb so wild. Ohne Kaffee dann los. In Kristiansund führt mich Google dann in ein Industriegebiet. Ich lande an einer Zapfsäule, aber leider nur für Betankung für gasbetriebene Fahrzeuge. In der Werkstatt nebenan kann mir der freundliche Mann leider auch keinen Tipp geben. Somit steuere ich die nächste größere Tankstelle an. Auch hier kommt der junge Mann freundlicherweise mit zum Fahrzeug und kann mir auch nicht helfen. Schickt mich aber weiter hoch im Industriegebiet zu einem großen Geschäft für Campingartikel. Dort angekommen ist mir eine junge Mitarbeiterin behilflich. Wir schauen gemeinsam meine Flaschen an. Leider kann sie mir auch nicht helfen, weder befüllen, noch austauschen, noch einen passenden Adapter anbieten. Aber sie schaut in ihrem Computer nach ist bemüht für mich eine Lösung zu finden. Sehr, sehr freundlich!

Sie nennt mir zwei weitere Tankstellen, wobei eine die ist, bei der ich eben war. Aber ich bedanke mich und rufe auf dem Parkplatz bei LPG Nord an. Glücklicherweise kann auch er englisch und verweist mich auf ein Geschäft namens Brixta. Ebenfalls in diesem Industriegebiet und die haben tatsächlich deutsche Flaschen zum Tausch da. Ein Lichtblick.

Also fahre ich dort hin, ein junger Mann ist sofort sehr hilfsbereit. Holt meine Flaschen raus, packt mir die zwei neuen rein, sichert alles und erspart mir so eine Menge Aufwand. An der Kasse zahle ich 600 NOK für beide Flaschen und schiebe ihm 100 NOK als Trinkgeld zu. Er will es erst nicht annehmen, aber ich möchte seine Hilfsbereitschaft einfach anerkennen. Er lächelt und ich verabschiede mich. Nur zur Sicherheit teste ich kurz den Gaskocher, alles passt, also dann weiter Richtung Trondheim. Was für ein Vormittag! Alles in allem muss ich aber sagen, es hat mich nicht geärgert, es war wieder eine neue Situation, auch diese habe ich gemeistert. 

Auf der Route nach Trondheim liegt die Region Aure. Genauer gesagt liegt mein Zwischenziel bei Melland auf Skardsoya. Dort möchte ich mir gern Jutuholet anschauen. Eine natürlich entstandene Berghöhle. Je näher ich dem Ziel komme, desto schmaler werden die Straßen. Kurz vor einem privaten Weg kann ich parken. Von da wandere ich einen knappen km Richtung Höhle. Mit meinem Rucksack samt Fotoausrüstung laufe ich also los. Der Wanderweg ist sehr gut zu erkennen und führt mich durch Wiesen und Wald. Niemand scheint ausser mir unterwegs zu sein, nur die Vögel begleiten mich auf meinem Weg. Immer wieder halte ich an und versuche etwas interessantes zu entdecken. Am Ziel angekommen stehe ich dann verdutzt vor einem Haufen Geröll. Das kann es sicher nicht sein. Eine kleine Pause, ein Schluck Kaffee und ein paar Schritte weiter entdecke ich einen Weg nach oben. Direkt über das Geröll. Weiter oben entdecke ich Seile als Hilfe. Soll ich also da hoch?! Ich wäge ab und denke, ich ärgere mich wenn ich wieder zurück laufe. Also atme ich durch und steige auf. Mitten drin kommt mir ein Gedanke, wie soll ich da wieder runter kommen? Aber diese Gedanken verschiebe ich auf den Abstieg. Nun konzentriere ich mich auf den Weg nach oben. Leicht ist anders, aber aufgeben ist keine Option. Als ich dann schon fast oben bin überholt mich erst ein junges Pärchen, dann folgt noch ein älteres Ehepaar. Die gehören zusammen und klettern fröhlich hoch. Oben angekommen stehe ich ehrfurchtsvoll auf den Steinhaufen. Die junge Frau ist weiter geklettert und der Mann bereits ganz unten. Sie fotografieren sich, bewegen sich ganz sicher über die Steine. Das ältere Paar bleibt wie ich oben und schaut ebenfalls zu. Ich unterhalte mich mit dem älteren Herrn. Er ist beeindruckt von meiner geplanten Route bis hoch zu den Lofoten und über Schweden zurück. Ich lächle und als ich meine, ich bin erstmal nicht sicher wie ich da wieder runter komme sagt er zu mir: „Es gibt einen Trick! Nimm Dir Zeit“. Und recht hat er.

Ich beschränke mich auf das fotografieren von meiner Stelle aus. So mutig bin ich dann doch nicht. Irgendwann packe ich zusammen und mache mich auf den Rückweg. Bevor ich nun unsicher werden kann entdecke ich an der Seite einen großen Stock. Der diente wohl für die Feuerstelle, denn an einem Ende ist er russig. Aber er hat die perfekte Größe für mich und so kann ich nun sicher den Abstieg meistern. Im Nu bin ich unten. Der Stock ist nun offiziell mein Wanderfreund! 

Eine Weile nehme ich ihn noch mit, er stützt mich in den Bereichen wo es moorartig wird und erst kurz vor dem Parkplatz lehne ich ihn an einen Baum, bedanke mich im Stillen und gehe zu Blacky. Etwas erschöpft entscheide ich mich gegen die Küstenfestung nur 2km weiter. Also dann noch den Rest Kaffee trinken und auf nach Trondheim.

In Trondheim soll es auf einen großen Stellplatz gehen. Ich hoffe, es gibt noch einen freien Platz und das Glück begleitet mich wie bisher.

Die Landschaft wechselt und läßt mein Herz höher schlagen. Auch wenn mich der Vormittag Zeit gekostet hat, so gehe ich den Rest der Route entspannt an. Als ich dann in Trondheim ankomme folgt sogleich die Ernüchterung am Stellplatz. Alles voll. Ok dann suche ich eine Alternative. Aber hier in Trondheim gibt es nicht so viele wie ich bisher gewohnt war. Ein paar Umwege durch die Stadt und den Verkehr und ich entscheide mich dann für einen Campingplatz etwa 10 km weiter. Inzwischen möchte ich nur noch ankommen und Stadtbilder von Trondheim stehen nicht mehr auf meiner Liste.

Endlich angekommen am Campingplatz finde ich die 300 NOK dann doch etwas hoch, also im Vergleich zu den bisherigen Stellplätzen. Und hier habe ich auch keinen Strom. Aber es ist wohl die Nähe zu Trondheim, direkt daneben ist der Anleger für die Fähre. So erkläre ich mir den Preis. Es gibt chinesische Nudeln, schnell und lecker und nur noch entspannen. Der Vormittag, die Wanderung und die Fahrt macht sich bemerkbar. Müde falle ich ins Bett.

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